Tangoes_2018_webFestival - Female TANGOes”
Programminfos
14.7.2018  - 16 bis ca. 24 h
AKW Naunhof  - Halle I

Die zehnten Bandoniontage im Alten Kranwerk werden international. Die Spielerinnen und Spieler kommen aus Argentinien, Niederland, Spanien, Chile und Deutschland. Tagsüber finden die Bandonionworkshops statt für 142tönige und 144tönige Instrumente. Hierzu kommen Eleven aus ganz Deutschland und Österreich. Selbstverständlich wird das ursächsische Instrument, in all seinen Facetten zu hören sein. Von der Folklore, Lied über Klassik bis zum Tango in seiner Kunstform. Die beiden Abendkonzerte werden als Milonga angeboten. Wir werden den schweren Kranwerksboden mit einem Tanzbelag ausstatten.

Das Festival beginnt, der Genealogie des Instrumentes Bandonion entsprechend mit Brettl, Folk und Weltmusik, am Bandonion Frank Deutscher, Heiko Guter, Robert Wallschläger. Das erste Konzert bestreitet Bettina Hartl aus Berlin als eine der ganz wenigen Bandonistinnen des Instrumententypes “Einheitsbandonion”. Ihr musikalisches Vermögen versetzt Sie in die Lage, in einer Vielzahl von Orchestern die Variabilität des Instrumentes von Klassik, Jazz bis zum Tango einzubringen. Aus den Niederlanden kommt Simone van der Weerden. Sie ist die Preisträgerin des internationalen Klingenthaler Akkordeonfestivals des Jahres 2014 in der Kategorie Bandoneon. Sie spielt ein Neuinstrument aus Klingenthal und kann als eine der renommiertesten europäischen Bandoneonspielerinnen bezeichnet werden. Die Tangokapelle “El Piropo” verspricht das Wesentliche des Tango darzubieten. Die Authentizität und ausgelassene Spielfreude überzeugt  plausibel durch die weltüberspannende Herkunft der Musiker.

Die Entstehungsgeschichte des Tangos und seine ursprüngliche Intension sollen zum Festival, gegenüber der romantischen Verklärung heutiger kurzweiliger Amüsements in Tangolokalen, interpretiert werden. Die Trinität des Tangos lautet, Komposition, Spiel und Tanz. Die Tänzer vollführen die Passion der Pose, Betörung und Erliegen. Die Komposition verarbeitet elegische Hoffnung, flammende Leidenschaft, Schwermut & Heimweh, grandioses Scheitern und Neuanfang der geflüchteten Europäer in die neue Welt Südamerikas (BpB). Und im Spiel erduldet das "atmende" Instrument Bandoneón den Weltschmerz auf Zudruck, entfaltet seinen Klang beim “Luftholen” und hinterläßt Tänzer und Zuhörer für Augenblicke entrückt.

In Argentinien und anderen Ländern dieser Erde wird dieses Instrument leidenschaftlich verehrt. Die "Heiligkeit" des Bandonions ist in Sachsen völlig verloren gegangen. Der Kulturverlust ist den allermeisten Zuhörern gar nicht bewusst und spielt in der abendländischen Brauchtumspflege gerade einmal im Erzgebirgsraum eine historische Rolle.

Im Ursprungsland dieses Instrumentes Sachsen, gibt es meines Wissens vier Spieler, welche als Musiker damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Erstaunlicherweise übernimmt die globale Bandoneón-Community von Taipeh, Seoul, Tokio, Peking, Litauen, Finnland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, USA und natürlich Lateinamerika den Erhalt dieses sächsischen Instrumentes. Der seidenweiche scharfe Ton des Bandoneóns hat sich in den besten Galahäusern dieser Erde etabliert und seit der Renaissance des Tangos, initiiert durch Astor Piazzolla, wird dieses ehemalige "Herreninstrument" auf grandiose Art auch von Frauen gespielt, was auch die Intension des Festival beinhaltet.

Im Jahr 2009 wurde der Tango und sein Bandoneón immaterielles Weltkulturerbe, daran waren Sachsens Kulturministeriale nicht beteiligt, obwohl in Argentinien immer noch die mindestens achtzigjährigen sächsischen Instrumente spielen. Warum deren Erhalt so wichtig ist, begründet Frau Algeri so:

“...oder die Stimmen der Bomben der 1940er Jahre haben es zu Grabe getragen. Die Legierung der Metalle, aus denen jene Stahlzungen bestehen, die den unverwechselbaren Klang erzeugen, der uns als "Tango-Klang" erreicht, ist heute noch nicht reproduzierbar. Die Tuner und Restauratoren verschwinden in einer erbarmungslosen Unaufhaltsamkeit. Keiner von ihnen schafft es, das Geheimnis, der "Kommas del Sonido", der genauen Abstimmung eines "AA 142" zu erfassen! Aber jenes ist das Fundament der Tangomusik."   Zitat Carla Algeri

Den Abend beendet die argentinisch-sächsische Kapelle “Amoratado”. Joviale lateinamerikanische Lebenslust trifft auf spielfreudige Sachsen. Am Bandoneon Jürgen Karthe auch Leiter und Initiator des im Kranwerk jährlich spielenden sächsischen Bandoneonorchesters “Carambolage”.

Obwohl das Festival mehr dem konzertanten Tango zugeneigt ist, sind die Tangotänzerinnen und Tänzer herzlich eingeladen, die Originale zu inspizieren. Sollte sich das Festival fortentwickeln, werden wir auch wieder Tanzkurse anbieten und schauen, ob Carla uns Tanzlehrer aus Argentinien empfehlen kann.

Bandonion und Kranwerk haben etwas grundlegend Verbindendes. Dasein, Überleben und gesellschaftliche Akzeptanz, welche nur aus Wahrhaftigkeit bar jeglicher kulturellen Subvention herzuleiten sind. Deshalb wird dieses Festival etwas wirklich Besonderes in unserem Hause sein und ein Abbild des politischen Kulturprotegés und der Globalisierung darstellen, welche die tradierten Werte des Abendlandes außerhalb seines Ursprungs bewahren.

 

Programmänderung möglich!

     16.00 h Strassenmusik   (Folk & Welt, Brettl)
Der Abend beginnt mit Bandonionstraßenmusik ab 16.30 h. Das “Brettl” hat sich gern der “Orgel des kleinen Mannes” bedient. Frei von den archaischen Vorgaben des Tangos, gibt es das Bandonion noch seltener als harmonisches Begleitinstrument zu hören. Die Wiederentdeckung des “Bandonion” in Pörschmannscher Spielweise (akkordführend) als “Folkinstrument”, ist dem Folk-Revival der siebziger & achtziger Jahre zu verdanken. Spieler wie Stefan Krawczik, Andreas Rohde (Kusserow), Frank Deutscher, Dieter Kalka, Jürgen B. Wolff (Konzertina) nutzen das Bandonion für ihre eigenwilligen Interpretationen außerhalb des Tangos. Robert Wallschläger (Bandonionbauer) wird als Vertreter und Leiter des Bandonionvereins Carlsfeld spielen.

Werkskapelle

Frank Deutscher

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       Instrumentenausstellung - von der Konzertina zum Bandoneón

Zwischendurch werden Raritäten der durchschlagenden Zunge, Konzertinas und Bandonions in verschiedensten Tonlagen (76, 104, 116, 128, 142, 144, Kusserow, Schlegel, Peguri, Symphonetta, Konzertinas) erklärt, geöffnet, bestaunt und immer wieder mit Klangbeispielen vorgestellt. 

     17.00 Uhr (Konzert)    Bettina Hartl - Duo Amortal (Bln)
       'Unio Musica' - von Barock bis zur Gegenwart
Mit den Instrumenten Violine, Bandonion und mit Gesang konzertiert Duo Amortal in einer vielfältigen Mischung aus tänzerischen Ciacconas und virtuosen Triosonaten  der Barockzeit in Verbindung mit Tango Nuevo und französischer Filmmusik. Dazu kombiniert es seine Barockmusik auch mit der lebendigen und farbenfrohen Musik der irischen und keltischen Folklore. Im Zusammenwirken dieser ausgesuchten Genres schaffen die Musiker eine Synthese aus greifbarer Sinnlichkeit und ätherischer Transzendenz. Die Kombination dieser beiden Instrumente ermöglicht eine ungeahnte Klangvielfalt. Mit Hingabe, Leichtigkeit und Charme erklingen kraftvoll leuchtende Triosonaten von Bach, sinnlich entfesselte Klangkaskaden von Astor Piazzolla, magisch verzaubernde französische Filmmusik und mitreissende irische Folklore. Duo Amortal gastierte bereits mehrfach in der Philharmonie Berlin, im Gasteig München, im Theatre Municipal in Luxemburg u.v.m. Neben zahlreichen Tourneen innerhalb Europas war einer der Höhepunkte des Duos in erweiterter Formation auf internationaler Bühne eine Japan-Tournee im Jahre 2005. Das Duo hatte mehrere Produktionen u.a. mit dem Bayerischen Rundfunk, 2014 erschien ihre neueste CD.

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         www.duoamortal.de             www.bettinahartl.de             Tonbeispiel: www.youtube.com           Interview: www.duoamortal.de/im-gespraech.html

gustavoSimone_van_der_Veerden       18.30 Uhr (Konzert)
Simone van der Weerden (NL)
“Duo Bando Verde”   
www.simonevanderweerden.com/
https://youtu.be

Duo Bando Verde is a recently formed duo consisting of bandoneon and violin. These two leading instruments in tango together provide a wonderful combination. Gustavo and Simone met during their studies in Rotterdam and decided to start working together. The repertoire consist of tango, milonga, Argentine folklore but also jazz. Their shared passion for different genres in music provides endless possibilities for this duo.

Nach einer inspirierenden Reise nach Argentinien entschied sich Simone, das Bandoneon zu erlernen. Durch den Klang, die Leidenschaft und die Instrumente der Tangomusik fasziniert, entschied sie sich für eine drastische Veränderung. Sie verließ ihr Akkordeon-Studium in Tilburg, tauschte ihr Akkordeon gegen ein Bandoneon und ging ans Konservatorium von Rotterdam, um ihr Abenteuer in der Welt des Tangos zu beginnen. In Buenos Aires, der Stadt des Tangos, lernte sie viel und kam mit einer Menge Inspiration zurück. Im Moment ist Simone Mitglied in verschiedenen erfolgreichen Bands wie: LocosLindos, Roffa Tango Trio, Duo Berretín, Duo BandoVerde und mehr. Im Mai 2014 wurde sie als erste Preisträgerin des Internationalen Bandoneon Solo Wettbewerbs in Klingenthal, Deutschland, ausgezeichnet. Neue Wege zu finden, um den Sound und Stil ihres Bandoneons in andere Musikgenres einzubringen, ist ihre Passion geworden. Laut Simone sind die musikalischen Möglichkeiten endlos. 2015 kehrte sie nach Buenos Aires zurück, wo sie Unterricht bei dem berühmten Maestro Nestor Marconi, Santiago Segret und anderen hatte. Simone ist seit vielen Jahren eine professionelle und erfolgreiche Musikerin und hat im September 2017 ein Masterstudium am Codarts Konservatorium in Rotterdam begonnen um ihre Liebe zum Jazz mit der Tangomusik auf Bandoneon zu verbinden.     (leicht geändert - Quelle: www.simonevanderweerden.com)

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     20.00 Uhr (Konzert & Milonga)
     “EL PIROPO” (Arg/D/Chile)
www.elpiropotango.com/
https://www.youtube.com

Almut Wellmann - Bandoneón (D)
Berna Jones - Violine (Chile)
Gaspar Müller - Band., Git. (Arg)
Leandro Avalle - Piano (Arg)

 

Mit Musikern aus Europa und Südamerika veranschaulicht “el piropo” das Wesentliche des Tangos, den das Ensemble interpretiert: eine Musik, die aus der Mischung verschiedener Völker entstanden ist, welche sich, so sagt man, in den beiden Häfen Buenos Aires und Montevideo kreuzten. So wie der Tango wird auch “el piropo” in einer Hafenstadt geboren: in Barcelona. Hierhin verschlug es Almut Wellmann, Tangotänzerin, die ein Bandoneon deutscher Herkunft – wie sie selber, mit nach Buenos Aires nahm und voll mit Tango zurückbrachte; Berna Jones, eine chilenische Geigerin, welche die Tradition ihrer Familie herausragender Musiker fortsetzt; aus Argentinien: Gaspar Müller, Gitarrist, Bandoneonist und Arrangeur der Gruppe; Leandro Avalle, Pianist mit internationaler Laufbahn; und Emiliano Roca Gómez, Kontrabassist, Komponist und Soundtechniker.

amoratado & clementina_03                       22.00 Uhr (Konzert & Milonga)
                         “Amoratado” (Arg/D)
 http://www.tango-amoratado.com/programme/


 Clementina Culzoni - Gesang (Argentinien)
 Jürgen Karthe - Bandoneón (DD)
 Fabian Klentzke - Piano (DD)

 Bandinfo (PDF) 

Die Musiker kommen aus Dresden die Sängerin aus Argentinien. Jürgen Karthe, langjähriger Kranwerksgast, verspricht einen musikalischen “Hurrikan”. Clementina versteht es, gediegenen Tango in eine steile Party zu verwandeln.

 

 

 

 

 

Kostenbeitrag für Kunst & Kultur, Installation und baulicher Erhalt des Kranwerkes:
ermäßigt (Schüler/Stud.) 22,- €; normal 28,- €
alle Konzerte - Eintritt ab 16 Uhr
Kartenreservierung per Mail:
info@kranwerk.com